Da sagt ein Sachbearbeiter im Bauamt zu seinem Kollegen: "Warum regen sich die Bauherren eigentlich alle so auf, wir machen doch gar nix!"

Eine Baugenehmigung in Lüchow dauert "nur" 57 Monate also "nur" rund 4,7 Jahre. Das ist in Anbetracht unserer statistisch gesehenen menschlichen Lebenerwartung auch "völlig angemessen". Schließlich werden die Menschen ja jetzt älter und haben somit mehr Zeit.

Vorwort. Bevor Sie, als verehrter Leser, sich hier die Erlebnisse unseres Verpächters mit dem Bauamt reinziehen, sollten Sie sich zurücklegen, einen guten Spanischen Wein aufmachen und ein schönes Stück Spanischen Manchego Käse und Iberico Schinken zum Knabbern bereitlegen. Die Geschichten dauern etwas länger, wenn auch nicht so lange, wie eine Baugenehmigung im Wendland.

"Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen" Johann Wolfgang von Goethe 1.

Die Odyssee mit dem Bauamt Teil 1             (Mitwirkende: Peter Triebe als Antragssteller und(Gebäudeverpächter) und vom Bauamt: Herr H./Herr W./Herr F. und Frau R.)

Da reicht ein Grundstücksbesitzer ( das ist unser Verpächter) Anfang März 2009 einen Bauantrag beim Bauamt für eine Nutzungsänderung eines seiner Gebäude zur Spanischen Bodega Restaurant (Bodega Casa Ambiente) und einem Wellnesscenter (Wendland Wellness) ein. Wir reden hier von einer kleinen hübschen spanischen Bodega und einem kleinen Wellnesscenter für Kosmetik und Massagen und nicht vom Bau eines Kernkraftwerkes oder eines Zwischenlagers. Und was glauben Sie passiert in den heiligen Räumen im Bauamt?

Eines Morgens: Arbeitsbeginn der für Lüchow zuständigen "Sachbearbeiter". Umschlag geöffnet: Bauantrag flüchtig überflogen: Oh, Oh, Ah, Ah! Bodega? Spanischer Flair? Wellnesscenter? Ein Wellnesscenter und eine Bodega mit spanischem Flair und mediterranen Stil bei uns im Wendland! Was soll das denn? Was ist eine Bodega? Dat bekakeln wir erstmal bei Kaffee und Kuchen mit den Bauamtskollegen. Also erst einmal in die Kaffeeküche. Juhu ich hab hier wat Neues. "Da hat einer einen Bauantrag gestellt". Mit ungläubigem Staunen und runzelnder Stirn wird zur Kenntnis genommen: Bauantrag gestellt? Bodega?

Mediterraner Stil? Spanischer Flair? Wellnesscenter? Häh? Dat im Wendland. Die Kaffeeküche brodelt.

Eine Verwaltungsdame presst zwischen Streuselkuchen und Marmeladenbrötchen hervor: So geht das gar nicht. Dat ist was Ausländisches! Eine Bodega im spanischen Stil und ein Wellnesscenter im Wendland brauchen wir nicht. Und eine Bodega, wat is dat? Die Diskussionsrunde verschluckt sich am "wohlverdienten" Kaffee! Natürlich! Wir brauchen kein Wellnesscenter im Wendland. Und irgendwas wie Bodega mit ausländisch spanisch mediterran schon mal gar nicht.

Da will einer was "Mediterranes" aufmachen, schallt es aus der Amtküche! Die Türen der restlichen Bauamtsstuben fliegen auf! Oh Gott! Kaffeerunde ganz verpasst! Verschwitzt fragen die Neuankömmlinge. Was gibts denn Neues? Im Wendland will einer was mediterranes und ne Bodega aufmachen, schallt es einhellig zurück. Wat is dat denn, wird gefragt? Bestimmt etwas "Ungeheuerliches", vielleicht so ein neu moderner "Swingerclub", wird entrüstet zurückgegeben.

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese Neuigkeit, mediterrane Bodega "Swingerclub" im Wendland" in dem sonst so "ruhigen" Gebäude. Natürlich bleibt so ein "Geheimnis" nicht in den heiligen Bauamtshallen.

Von dort nach außen getragen und von der Bevölkerung als wohlverdiente Abwechslung aufgenommen, wird heftig in jeder Pinte "mehr als fachlich" weiter diskutiert.

Kurz vor Mittag ziehen sich die für den Bauantrag zuständigen "Sachbearbeiter" grübelnd und mit den Informationen aus der "Kaffeeküche" in ihr "Allerheiligstes" ins Büro zurück. Grübel, Grübel. Schöner Mist.(So heißt übrigends ein tolles Buch über das Wendland, wo unsere Kreisverwaltung auch eine "berühmte" Rolle drin spielt)

Erst einmal auf diesen "ungeheuerlichen" Bauantrag in die "wohlverdiente" Mittagspause. Kurz vor Feierabend wieder zurück in der kuschligen Amtsstube, wird ein Brief an den bösen Bauherrn verfasst, der es gewagt hat, einen Bauantrag für eine " meditirrane Bodega" und ein Wellnesscenter einzureichen.                              Sehr geehrter Herr……. Ihrem Bauantrag für einen "Swingerclub" können wir so nicht entsprechen.

Der Bauherr erhielt erstaunt das amtliche Schreiben und fragte zurück, was für ein "Swingerclub"? Er hatte doch einen Antrag für eine Bodega (eine spanische Tapas Bar) und ein Kosmetikstudio und Massagepraxis eingereicht.

Die zuständigen Verwaltungsangestellten sahen das völlig anders. Sie hatten doch als "Beweis" die Bestätigung aus der Kafferunde. Bockig mit den Füßchen aufgestampft: Bei uns ist ein Schwingerclub beantragt worden und damit Ende.

Die Fronten verhärteten sich. Die Verwaltungsangestellten behaarten auf die Meinung aus der "Kaffeerunde" und nicht auf das was im Bauantrag steht. Papier ist geduldig. Kaffeerunde stimmt und nicht das was geschrieben steht.

Ein "Verwaltungsfachangestellter" hat immer Recht. Und wenn nicht dann zumindest "Rechte" die er ausnutzen kann.

Dann begann eine Odyssee eines sogenannten "Verwaltungsaktes", die seinesgleichen sucht.          Jeder Paragraph , und war dieser auch noch so schwer zu finden, wurde herausgefischt. "Gummigesetze" und Bauvorgaben wurden bis zum Zerreißen in die Länge gezogen.Unzählige Schreiben und Gespräche folgten.   Nach Wochen von hin und her und ohne Vorankommen, entschloss sich der Bauherr seinen Bauantrag vollständig zurückzuziehen.

Puh. Was ein Glück, dachten wohl die Damen und Herren der "Baufachabteilung". Endlich diesen scheiß "Bauantrag" vom Tisch.

Neuer Tag. Neuer Versuch. Juli 2009. Was ist das? Schon wieder ein dicker Umschlag von dem bösen und unnachgiebigen Bauherrn. Umschlag aufgerissen und siehe da: Ein "neuer" Bauantrag von der Beschreibung und Ausführung identisch mit dem "alten Bauantrag". Grübel. Grübel. Immer noch verärgert ( Kaffeerunde hat doch recht) schickte das Bauamt wohl oder übel dem Bauherrn nach rund drei Wochen "Bedenkzeit" erst einmal eine "Eingangsbestätigung" des nun "neuen" Bauantrages.

Jetzt wollten sie es ganz genau wissen! Jede Grasnabe wurde umgekrempelt, Tage und Wochen in Gummigesetzen geschmökert und so verging die Zeit…….! Nach mehreren "ach so ärgerlichen und lästigen" Nachfragen des Bauherrn bei den zuständigen "Sachbearbeitern" und deren Vorgesetzten kam nun langsam ganz laaaaangsam Bewegung in den "Amtvorgang".

"Nur" rund zwei Monate nach der Einreichung des zweiten Bauantrages, wurden nun "plötzlich und für alle völlig unerwartet" Stellungnahmen der zu beteiligen Fachdienste eingeholt. Und wie wird so etwas in den "Amtsstuben" gemacht?  Der Leser ahnt es schon. Natürlich auf dem Postwege, obwohl die Fachdienste allesamt im selben Gebäude, teilweise sogar im gleichen Flur wie das Bauamt sitzen. ( Das die Stellungnahmen schon vom ersten Bauantrag her bei der Dame vorlagen, sei hier nur am Rande bemerkt )

Die nun intern angeforderten Stellungnahmen wurden in aller "Eile", so nach rund zwei weiteren Monaten beantwortet und an die zuständigen "Sachbearbeiter" zurückgeleitet.

Zwischendurch heizte sich die Gerüchteküche über einen angeblichen Swingerclub immer weiter auf.  Zum Glück hat keiner einen Bürgerverein gegen "Swingerclubs" gegründet.  Da hätte die "Vorsitzenden" des "Clubs" und die "Opposition" sicher schon festgestanden.

Natürlich konnte der Bauherr die falschen Behauptungen und Annahmen des Bauamtes im Sinne seiner Pächter nicht einfach so stehen lassen. Also ran an die Tasten, einen Klarstellungsbericht für die Zeitung geschrieben und für mehrere hundert Euro eine große Anzeige geschaltet. Der größte Teil, der die öffentliche Klarstellung lesen und verstehen konnte, hatte nun begriffen, dass es im Wendland nun doch keinen "Swingerclub" gibt und Gerüchte falsch in die Welt gesetzt wurden. Ein paar ganz hartnäckige "übrig Gebliebene" halten aber immer noch an ihrem "Schwingerclub" fest und plappern getreu dem Motto: Kaffeeküche hat immer Recht, munter weiter. So geht es teilweise noch bis heute.  Allerdings ist umgedreht die sich plötzlich bekennende und bis dahin verdeckte "Wendländische Swingergemeinde" ganz traurig das es keinen sogenannten "Swingerclub" im Wendland gibt.

Was aber ist nun mit dem Bauantrag?

Sie ahnen es schon.

Plötzliche Bewegungslosigkeit im Amt. Nichts passierte. Der Bauherr fragte immer wieder im Amt nach. Darauf kam wieder mal "Bewegung" (wenn man Schneckentempo auch als Bewegung ansieht) ins Geschehen.

Jetzt ging es aber "Schlag auf Schlag". Der Bauherr erhielt einen Brief von den "Verwaltungsarbeitern" mit dem Inhalt: Knete als Vorschuss löhnen, sonst geht gar nichts mehr! Erfolgt die "Vorschusszahlung" nicht innerhalb 4 Wochen, wird ihr Bauantrag abgelehnt, da dann offensichtlich kein "Sachbescheidungsinteresse" besteht!

Was dachten die Damen und Herren nur? Denken die, ein Bauherr reicht einen Bauantrag ein, weil er lange Weile hat und gar nicht bauen will? Und wussten die "Bearbeiter" nicht schon seit Monaten bei der Einreichung des Bauantrages, dass ein Bauantrag nach der Gebührenordnung Geld kostet?" Egal!  Überweisung ausgefüllt und gelöhnt.

Nun ging die sogenannte "Post" erst richtig ab. Nun erhielt der Bauherr völlig "überrumpelt" wieder Post vom Bauamt mit dem Titel " Vorprüfungsergebnis". Inhalt des Schreibens: Die Vorprüfung Ihres Bauantrages ist durchgeführt worden und hat ergeben: Der von Ihnen eingereichte Lageplan enthält zwar die sichtbar eingezeichneten Parkplätze. Aber! Aber! Diese Parkplätze sind laut Paragraph "Gummigesetz" "farbig" anzumalen! Das müssen sie machen! Und wenn! Ja wenn sie das nicht innerhalb von vier Wochen erledigt haben, wird die weitere " Behandlung" ihres Bauantrages abgelehnt!!! Peng!

Die Damen und Herren des Bauamtes zogen doch tatsächlich in Erwägung, dass der Bauherr bis zu vier Wochen brauchen könnte um 5 cm im Lageplan farbig anzupinseln. Puh!

Das hat gesessen! Erst einmal ne Kippe zur Beruhigung.

Schade, dass der Bauherr keine "Kaffeküche" hatte.

Das wäre ja mal ein Diskussionsthema für die "Gruppe" gewesen: Nach Monaten auf den Bauantrag gucken ist dem Bauamt aufgefallen, dass die Parkplätze nicht bunt angemalt sind. Und wenn die nicht bunt angemalt werden? Dann, ja dann wäre Ende, Finito, Terminado mit dem vom Bauherrn nun doch schon wirklich mehr als lieb gewonnenen Bauantrag.

Wollte der Bauherr das vorzeitige Ende? Wo er sich doch nach vier Monaten schon vor seinem geistigen Auge mit der Baugenehmigung in der Hand sah. Nein! Natürlich! Nicht! Also Kippe weg und ran an die Buletten, äh Bundstifte und die "Parkplätze" bunt ausgemalt.

Lageplan mit bunten Parkplätzen eingetütet und dann ab damit zum "kleinen" (rund 30.000€ teuren) Briefkasten des Bauamtes am großen roten Haus und eingeworfen. Jetzt sollte doch alles schnell gehen. Oder?

Nein! Völlig falsch gedacht. Wieder neue Post vom Bauamt mit dem Inhalt: Eine Bestätigung des Nachbarn über die im eingereichten Bauantrag gezeichnete Einfriedigung ( dat is ein Zaun) fehlt im Bauantrag. Nanü? Davon hatten die Damen und Herren in ihrem "Vorprüfungsergebnis" doch gar nichts geschrieben.

Na ja. Das kann im Bauamt in der "Prüfungs- und Verwaltungshektik", im "Verwaltungsstress" schon mal vergessen werden. Also hin zum Nachbarn und eine schriftliche Bestätigung geholt. Eingetütet und ab zum berühmten "kleinen" Briefkasten. Nun, so dachte man, ist wirklich alles erledigt und die Baugenehmigung wird "rasch" erteilt. Falsch gedacht! Rasch scheint ein Fremdwort für die Verwaltung zu sein.

Die Monate gingen vorüber und damit schwand auch die Hoffnung auf ein friedliches Weihnachtsfest mit der Baugenehmigung unter der Tanne.

Wieder hakte der Bauherr beim Bauamt nach. Da ihm mittlerweile wegen seines dicken Halses sein Hemd nicht mehr so richtig passen wollte und er doch sein Weihnachtsgeschenk (Baugenehmigung) haben wollte und wir als Pächter so langsam unser Geschäft eröffnen wollten, wendete der Bauherr sich nun in aller Verzweiflung an höhere Instanzen beim Landkreis.

Und?

Man soll es nicht glauben. Plötzlich und völlig unerwartet hielt der Bauherr doch tatsächlich seine Baugenehmigung in der Hand. Aber was stand da? Eine Bauabnahme durch das "Bauamt" wird angeordnet! Eine Inbetriebnahme ohne Abnahme und ohne Schlussabnahmebescheinigung ist nicht möglich.

Ok. No Problem dachte sich der Bauherr. Das mit dem "No Problem" war wieder mal völlig daneben gedacht.

Die Bodega und das Kosmetik- und Wellnesscenter fertig gestellt und am 01.März. 2010 einen Abnahmeantrag beim Bauamt gestellt. Die Herren vom Bauamt, Brandschutz und Lebensmittelüberwachung maschierten nur drei Tage später am 03. März. 2010 auf.

Nachdem alles in Ordnung war beantragte der Bauherr am 16. April. 2010 die Erteilung der vom Bauamt selbst angeordneten schriftlichen Schlussabnahebescheinigung.

Ohne Schlussabnahmebescheinigung darf das Gebäude und Gewerbe nicht in Betrieb genommen werden und das Gebäude kann auch nicht versichert werden.

Die Pächter der Bodega und des Wellnesscenter waren etwas ungehalten. Wollte sie doch ihre Geschäfte eröffnen.

Alle schriftlichen und telefonischen Anfragen mit der Bitte nun endlich diese Schlussabnahmebescheinigung auszustellen verhallten in den heiligen "Bauamtshallen" und prallten an der Kaffeeküche völlig ungehört ab. Nix gab es. Der Bauherr hatte schon den Verdacht das sich das Bauamt aufgelöst hätte oder die "Fachdienstmitarbeiter" wegen der "stressigen" Verwaltungsarbeit alle B-Out bekommen hätten. Ausser den Löffeln in den Kaffeetassen der "Bauamtsküche" rührte sich nix.

So zooogen sich die Jahre und Monate dahin. Mitlerweile schrieb der Kalender das Jahr 2013. Als der Bauherr nun dem Bauamt mit Schadensersatz und Klage drohte wurde doch tatsächlich am 25.11.2013 die Schlussabnahmebescheinigung ausgestellt. Das war doch mal was!

Nach nur über 4,5 Jahren konnten die Pächter ihre Geschäfte doch tatsächlich in Betrieb nehmen.

Das dieses "Bauamt" im Anschluss noch einen netten Brief schrieb und um Beantwortung der Frage gebeten hat:   Wie zufrieden waren Sie mit unserer "Arbeit", zeigt klar und deutlich das irgendwer nicht ganz gerade läüft.